Von: Melanie Terne, Katja Müller, Sarah Zschörner, Lukas Kronschnabl, Jasmin Vief

14.04.2021 – Die interdisziplinäre Vorlesungsreihe IFN geht in die nächste Runde: Dieses Mal geht Prof. Dr. Karsten Weber (OTH, Fakultät ANK) auf den fairen Zugang und Umgang mit Informationen ein und erklärt, was es mit Informationsnachhaltigkeit auf sich hat. 

  • Ist Wissen immer da oder plötzlich weg? 
  • Ist Wissen limitiert oder grenzenlos?
  • Ist Wissen für jede:n zugänglich?

Diese und weitere Fragen beantwortet Prof. Dr. Weber in seinem Vortrag zur Informationsnachhaltigkeit. So viel lässt sich gleich am Anfang sagen: Wenn Wissen nicht limitiert wäre, würde es wohl keine Diskussion über Nachhaltigkeit geben. Denn Informationen sind nicht nur begrenzt, sondern auch nicht für jede:n gleich zugänglich.

Die Lösung des Problems scheint auf der Hand zu liegen: Wissen möglichst barrierefrei und kostenlos allen Menschen zur Verfügung zu stellen. Welche Schwierigkeiten dabei auftreten können und mit welchen Konsequenzen dies verbunden wäre, erklärt Prof. Dr. Weber unter anderem am sogenannten Güterquadrat. 

Was macht Informationen zu Gütern? 

Informationen werden zu Gütern gezählt, da sie an materielle Ressourcen, wie beispielsweise Geld, gebunden sind. Oft wird die Wissenschaft im Zusammenhang mit Wirtschaft und Politik als Tripelhelix-Modell dargestellt. Die drei Akteure sind ineinander verwoben und voneinander abhängig. Die Wissenschaft ist gebunden an finanzielle Förderung und somit an Wirtschaft und Politik, die wiederum auf die Erkenntnisse und neuen Ideen der Wissenschaft angewiesen sind.

Doch mit uneingeschränktem Zugriff auf wissenschaftliche Erkenntnisse würde die ‘Belohnung’ für das gesammelte Wissen wegfallen und somit der Anreiz, dieses Wissen zu generieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, verschwinden. Neben diesem Kollektivgutproblem ist auch die reibungslose Weitergabe von Informationen nicht selbstverständlich. Güter können künstlich verknappt werden, indem sie zum Beispiel durch Urheberrechte nur für bestimmte Personen zugänglich sind. Sie können aber auch auf natürliche Art durch Vergessen oder den Zusammenbruch einer Gesellschaft abhanden kommen. 

Ein weiterer Gatekeeper der Infomationsnachhaltigkeit ist die Publikation der wissenschaftlichen Texte zusammen mit der Qualitätssicherung. Die wenigen großen Fachzeitschriften, die diesen Service leisten, sind heute sehr profitorientiert und erwirtschaften Renditen, die sonst nur im Rauschgifthandel möglich sind, so Weber.

Fazit: There is no such thing as a nonviolent revolution (Malcom X)

Eins ist klar: Der Status Quo hemmt die langfristige Informationsnachhaltigkeit. Unklar ist jedoch, wie die globale Gesellschaft möglichst barrierefreien Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen gewährleisten kann. Da diese notwendige Umstellung sowohl Gewinnende als auch Verlierende mit sich bringen würde, bedarf es eher einer Revolution als einer Transformation. 

Vor der Revolution noch etwas Wissen gefällig? 

Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse stellt Prof. Dr. Karsten Weber unter anderem hier frei zugänglich zur Verfügung: OTH Regensburg

Informationen zum Vortragenden

Prof. Dr. phil. habil. Karsten Weber

  • Institut für Sozialforschung und Technikfolgenabschätzung (IST)
  • Regensburg Center of Health Sciences and Technology (RCHST)
  • Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg

Karsten.Weber@oth-regensburg.de